Erfrischend anders

„Und, was macht man eigentlich so im Kunstunterricht?“, wurde ich neulich gefragt.

 

„Nun“, begann ich schwärmerisch, „wir erträumen ganz einfach neue Welten, wir erfinden neue Pflanzen, wir erschaffen neue Wesen, wir bereisen alle Länder der Phantasie, tauchen hinab in die Vergangenheit und wagen uns in die Zukunft. Wir mischen Farben, die noch kein Mensch zuvor gesehen hat, wir untersuchen den Zauber einer einfachen Linie und die Geheimnisse der dreidimensionalen Form. Wir schauen uns die Natur genau an, erforschen die Falten unserer Hand, entdeckten unser Gesicht im Spiegel neu, wir beobachten die Welt des Lichts und ihre Schattenseiten und wir lernen, zeichnerisch den Raum zu beherrschen. Aus dem feuchten, kalten Ton gestalten wir Gefäße und Figuren und brennen sie in der roten Glut des Ofens. Wir bauen traumhafte Baumhäuser, entwerfen gewagte Türme oder Häuser der Zukunft und wir trauen uns an die Ingenieurskunst des Brückenbaus.

 

 

Wir wagen uns an Mode- oder Industriedesign und entwerfen zum Beispiel unsere persönliche Kollektion, den eigenen Stuhl oder recyceln Abfälle zu witzigen Gebrauchsgegenständen. Wir spiegeln uns selbst in unserem individuellen Graffiti und erforschen, was Schrift alles sein und leisten kann. Wir machen uns die Kameratechnik und die Tricks der Fotografie zu eigen und im Fotolabor erleben wir, wie scheinbar aus dem Nichts ein atmosphärisches Bild erwächst. Mit den Werkzeugen des Computers lernen wir, die digitalen Bilder unseren Vorstellungen anzupassen und überzeugende Plakate zu layouten. Und auch der Film ist uns nicht fremd: Wir kreieren unterhaltsame Stop-Motion-Filme oder versuchen uns in der hohen Kunst der Regie und werden Hauptdarsteller/in, Ausstatter/in oder Schnittprofi.“

 

„Das hört sich sehr vielversprechend an, aber ist das alles?“

 

„Nein, wirklich nicht, denn das ist nur die Oberfläche der Dinge. Eigentlich tauchen wir ein in uns selbst und merken, wie einzigartig unsere Phantasie ist. Wir schauen uns Meisterwerke alter Epochen an und fragen uns, welche Umstände und Lebensentwürfe, welche Träume und Kulturen nötig waren, um diese Werke hervorzubringen. Wir üben, uns in andere hineinzuversetzen, erfahren andere Sichtweisen auf die Welt und lernen, das Fremde und Unbekannte zu schätzen. Wir diskutieren, analysieren und interpretieren, wir lachen und scherzen, wir strengen uns an, unser selbstgestecktes Ziel zu erreichen. Wir brauchen dafür nicht nur Begeisterungsfähigkeit, sondern oft auch Ausdauer und Geduld. Aber am Ende sind wir stolz auf unsere Leistung und unser Werk. 

 

Und wir machen großartige, gemeinschaftliche Projekte: Wir führen ein Puppen- oder Schattenspieltheater auf, verbringen Stunden im Wald oder am Strand, um vergängliche Land-Art herzustellen oder die Kunst der Performance zu praktizieren. Wir nehmen an Wettbewerben teil, gestalten unsere Flure und Klassenräume, schmücken den Tannenbaum und malen Plakate für den Frieden. Wir unternehmen Exkursionen zu großen Kunstausstellungen oder besuchen Kunstschaffende in ihren Ateliers, wir stellen im Rathaus, in der Kirche oder in der Touristinformation aus und wir zeigen unsere Werke in den Vitrinen und Fluren unserer Schule.“

„Beeindruckend, das alles schafft ihr?“

„Das ist er noch lange nicht alles, denn der Fundus an Möglichkeiten ist schier unbegrenzt. Und das ist es, was man zweifelsfrei vom Kunstunterricht sagen kann: Er ist immer erfrischend anders!“

Arbeitsbereiche im Fach Kunst

 

 

Im Fach Kunst arbeiten wir mit unseren Schüler*innen in neun Arbeitsfeldern: Zeichnen, Grafik, Malerei, Plastik und Installation, Performative Kunst, Medienkunst, Architektur, Produktdesign und Kommunikationsdesign:

1) Zeichnen

 Zeichnen ist ein spontanes und unmittelbares Ausdrucksmittel und eine Kulturtechnik, die wir im Kunstunterricht weit fassen können.

So dient sie z.B. als Instrument der Veranschaulichung von Denk-und Entwurfsprozessen, aber auch als schnelle Wegskizze zur Orientierung.

Zeichnen befähigt Schülerinnen und Schüler, sich effizient mitzuteilen.

2) Grafik

Grafik umfasst alle grafischen Techniken und Verfahren, die nicht unter die Handzeichnung fallen. Dazu gehören Frottage, Monotypien, Schablonen, Material-und Stempeldruck sowie Collagetechniken, aber auch alle Verfahren des Hoch-, Tief-, Flach-und Durchdrucks. Die Vervielfältigungsmöglichkeit von Druckgrafiken bietet Schüler*innen Gelegenheit, Schulleben, Schulöffentlichkeit und außerschulische Lebensbereiche durch eigene Mitwirkung aktiv zu gestalten.

3) Malerei

Das Medium Farbe ermöglicht es den Schüler*innen subjektive Gefühlswelten, Erfahrungen und Assoziationen, aber auch emotionale Eindrücke von Wirklichkeit zu gestalten und damit persönliche Ausdrucksformen zu finden. Dazu erlernen die Schülerinnen und Schüler Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit Malwerkzeugen, Farbmaterial, malerischen Verfahren und Bildträgern. Ebenso stellen Farbtheorien, Farbpsychologie und die kunstgeschichtliche Entwicklung der Malerei bis heute wichtiges Hintergrundwissen dar, das im Unterricht vermittelt wird.

4) Plastik und Installation

Dreidimensionale Kunst begegnet den Schüler*innen überall im öffentlichen Raum, so z.B. an Fassaden, Gärten, Brunnen, als Mahnmal, aber auch in Museen oder im privaten Bereich.

Vielfältige Werktechniken bieten die Möglichkeit, im Prozess der Gestaltung motorische Fähigkeiten und haptische Sensibilität zu entwickeln. Die Seherfahrung der

Mehransichtigkeit verändert den Blickwinkel.

 

5) Performative Kunst

Performative Kunst ist ein künstlerischer Akt des Handelns. Häufig steht die menschliche Aktivität im Mittelpunkt. Merkmale sind die Unwiederholbarkeit, der Zufall, Grundelemente wie Zeit, Raum, Körper und Ort sowie die Interaktion. Performative Kunst steht im Spannungsfeld von Akteur*in und Zuschauer*in und schafft Ereignisräume.

 

6) Arbeitsfeld Medienkunst

Ausdrucksmöglichkeiten durch Medien sind im Kunstunterricht z.B. künstlerische Fotografie, Film, Videokunst sowie Formen interaktiver Kunst. Das Arbeitsfeld eröffnet den Schülerinnen und Schülern neue Spielräume für kreatives Schaffen, die zur Erweiterung von Wahrnehmungs- und Verhaltensoptionen führen.

 

 

7) Arbeitsbereich Architektur

Das Arbeitsfeld umfasst das Kennenlernen verschiedene Bautypen, Funktionen, Stile und Kulturen ebenso wie die innere und äußere Gestaltung von Gebäuden, Siedlungs- und Städtebau oder Landschaftsarchitektur.

8) Arbeitsfeld Produktdesign

Die Schüler*innen setzen sich mit Objekten aus handwerklicher und industrieller Fertigung, Konsumgütern des täglichen Gebrauchs, Fahrzeugen, Mode oder Möbeln auseinander. Sie entwickeln im besten Fall ein kritisches Bewusstsein und eine Verantwortlichkeit für den Erwerb und Umgang mit Dingen. Der Nachhaltigkeitsgedanke und die soziale Verträglichkeit können Kriterien im Gestaltungsprozess und bei Kaufentscheidungen sein.

 

9) Kommunikationsdesign

Das Arbeitsfeld umfasst eine verstehende und gestaltende, aber auch kritische Auseinandersetzung mit Plakaten, Werbung und Werbekampagnen. Das komplexe Verhältnis von Medienbildern zur Wirklichkeit, ethische Fragen zu Wahrheit und Lüge und Bildmanipulation sind Gegenstand dieses Arbeitsfeldes.

Kunstausstellung der KHS im Hänischhaus 2018